KURIOSE KUNST!
Unter dieser Rubrik versammeln wir zur Auflockerung Merk- und Denkwürdiges aus der Kunstwelt, um den Ernst der Kunst etwas aufzuweichen. Wir bringen immer wieder neue Geschichten, Ansichten und Einsichten quer durch den Kunstgarten, der manchmal eher einem Dschungel gleicht …
Sind Ihnen gute Geschichten begegnet? Teilen sie Sie uns mit Quellenangaben mit. Wir veröffentlichen sie gerne, sofern keine Copyrights verletzt werden.
Hier ein Vorgeschmack:
Corot und Courbet im künstlerischen Wettstreit
Corot und Courbet wanderten zusammen durch einen Wald und sprachen dabei über Kunst. Courbet schlug seinem Freund Corot einen künstlerischen Wettstreit vor: "Wir wollen beide malen, was wir vor Augen haben", sagte er. Also bauten sie ihre Malutensilien auf und begannen mit der Arbeit. Vor ihnen befand sich ein kleines Kastanienwäldchen und im Hintergrund eine Baumallee. Nach zwei Stunden hatte Courbet Allee und Wäldchen sehr naturgetreu wiedergegeben. Corot aber hatte einen kleinen silberfarbenen See mit zwei tanzenden Nymphen gemalt. "Das habe ich gesehen", sagte er lachend. (Alfred Georg Hartmann, Das Künstlerwäldchen. Maler, Bildhauer- und Architektenanekdoten, Berlin 1918, 160; zitiert aus der National-Zeitung)
Max Liebermann zu Hals und Rembrandt
Liebermann vor Rembrandts «Nachtwache»: «Wenn man Frans Hals sieht, bekommt man Lust zum Malen, wenn man Rembrandt sieht, möchte man es aufgeben.»
Zu Liebermann sagte einmal ein begeisterter Kritiker: «Meister, je mehr ich mich in die Kunst versenke, desto klarer wird mir: es gibt nur zwei große Maler, Velàzquez und Sie!» Darauf Liebermann: «Wat denn, wat denn, wieso Velàzquez?»
Max Liebermann im Gespräch mit einem Akademiker: «Wie de Bejabung uffheert: jleich jeht der Stil los.»
Ein Kollege untersucht sehr genau eine Zeichnung Liebermanns und fragte, wie er technisch gearbeitet hätte, ob er mit einem harten oder weichen Bleistift zeichne. Liebermann antwortete: «Mit Talent.»
Zu einem Porträtmodell, das mit der Ähnlichkeit nicht recht zufrieden war, soll Liebermann gesagt haben: «Wissen Sie, ich habe Sie ähnlicher gemacht, als Sie sind.»
Ein Neureicher wollte seine Frau von Liebermann malen lassen und bat ihn, sich vorher die Wand anzusehen, an die das Bild kommen solle, damit es sich gut im Raum einfüge. Liebermann lehnte ab: «Mach ich nicht. Sie sollten sich lieber um das Porträt herum das Haus bauen lassen.»
Auf einer Düsseldorfer Ausstellung war Cézannes Gemälde «Der Knabe mit der roten Weste» zu sehen. Aus dem Plan, das Bild für die Kunsthalle anzukaufen, wurde aber nichts, weil Eduard von Gebhardt protestierte. Ihm gefiel nicht, daß der rechte Arm des Knaben länger geraten war, als die korrekte Anatomielehre gestattet hätte. Eines Tages trafen sich in der Ausstellung vor dem Bilde Gebhardt und Liebermann. Es erhob sich eine heftige Diskussion, da Liebermann begeistert die Farbschönheit des Gemäldes pries. Gebhardt wurde rot vor Zorn. «Aber sehen sie doch», rief er in höchster Wut, «sehen Sie doch diesen unendlich langen Arm!» «Ach was», sagte Liebermann, «der Arm is so schön jemalt – der kann ja jar nich lang genug sein!»
In der Zeit des Kunstkampfes wurde Liebermann nach seiner Meinung über den lautesten Gegner der neuen Kunst, Anton von Werner, gefragt. Er antwortete: «lck sage immer, wenn Anton von Werner ooch ohne Hände geboren worden wäre - dann hätte er doch die jrößte Schnauze.»
Hans Meid hatte eine Porträtradierung von Liebermann zu machen. Er erzählt: Ich kam mir dabei vor, als ob ich Caruso etwas vorsingen sollte. Das Porträt ist·auch eine meiner schwächsten Arbeiten geworden, doch um so besser waren die Witze und Lehren, die Liebermann während der Sitzung von sich gab. «Wissen Se, jeder Mensch hat Ähnlichkeit mit irgendeinem Tier; ick sehe aus wie ein Aasgeier.» Das Gespräch kam auch auf meinen Landsmann Hans Thoma. Auf den war er nicht gut zu sprechen. «lck gloobe, der hat een Privattelephon zum lieben Gott.»
Max Liebermann war bei Lovis Corinth zu Besuch. Neugierig wanderten seine Augen über den Zeichentisch des Kollegen. Plötzlich rief er erstaunt: «Wat – Sie harn een Radiergummi?»
Als Liebermann mit Lesser Ury befreundet war, ging das Gerücht, einige Liebermannsche Bilder seien eigentlich von Ury gemalt. Liebermann erfuhr davon. «Det ist mir egal», erklärte er, «daß erzählt wird, meine Bilder seien von Lesser. Aber wenn Ury sagt, daß seine Bilder von mir sind - dann verklage ich ihn.»
Liebermann über den Nutzen der Kunsthistoriker: «Die sind gar nicht so überflüssig. Wenn die nicht wären, wer sollte uns Künstlern wohl nach unserm Tod unsere schlechten Bilder für unecht erklären!»
Liebermann hatte einst das kleine Töchterchen Bodes gemalt. Als die Sitzungen beendet waren, stellte sich die Kleine vor das Bild und fragte: «Ist das Bild nu fertig?» Liebermann: «Ja, jetzt ist das Bild fertig.» Das Kind: «Kommt das Bild nu zu Papa ins Museum?» Liebermann: «Ja, jetzt kommt das Bild zu Papa.» Das Kind: «Und dann kommt ein goldener Rahmen darum?» Liebermann: «Ja, dann wird es eingerahmt.» Das Kind: «Und dann wird es auch wohl schön!»
Liebermann kommt von einer italienischen Reise zurück und stellt fest: «Denkense et is jarnich so kitschieh, wie die Leute immer tun.»
Liebermann wird nach seiner Ansicht über Max Klinger gefragt. «Wissense, ick finde ihn jräßlich. Aber es jiebt Portierssöhne und es jiebt Künstler, und ein Portierssohn is Klinger nich!»
Max Liebermann wurde aufgefordert, eine Chagall-Ausstellung zu besuchen. «Nee,» erklärte er, «da jeh ick nich hin.» «Aber an dem Chagall ist wirklich etwas dran.» «Nee, ick will nich! Womöglich jefällt mir das Zeug!»
Nach wiederholten hartnäckigen Bitten hatte ein Berliner Kunstsammler es erreicht, daß Liebermann seine Gemäldegalerie besichtigte. Als er den Altmeister nach seiner Ansicht über die Bilder fragte, antwortete ihm der: «Das einzige Original in Ihrer Galerie sind Sie selber, verehrter Freund, wobei ich aber noch zugebe, daß von den vielen Perücken die Ihre am besten die echten Haare vortäuscht.»
Liebermann zu einem Käufer, der ihn zur Vielmalerei verführen wollte: «Wissen Sie, lieber Herr, ich bin nicht mit der Kunst verheiratet; ich habe ein Verhältnis mit ihr. »
Eine Dame hat Liebermann besucht und verabschiedet sich: «Herr Professor, das war die schönste Stunde meines Lebens.» Max Liebermann.: «Na, junge Frau, das wollen wir nicht hoffen.»
Max Liebermann erhielt von einer Amerikanerin einen überspannten Brief, in dem die Dame den Meister um ein Autogramm bat. Liebermann schrieb auf eine Ansichtskarte: «Zur Erinnerung an die angenehmen Augenblicke, die wir verleben, wenn wir uns nicht kennengelernt haben werden.»
Liebermann ist eines Tages mit einem berühmten Komponisten zusammen, der gerade zum fünften Male geheiratet hat und seine neue Gattin der Gesellschaft vorführt. Liebermann wird vom Hausherrn gefragt, ob er nicht dieser neuen Gattin des großen Tonkünstlers vorgestellt zu werden wünsche. «Nee, danke,» antwortete der Meister, «die überspringe ick.»
1933 wird Liebermann befragt, wie es ihm gehe. «Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen möchte.»
Aus: Günter Meissner; Max Liebermann; E.A. Seemann Verlag, Leipzig, 1978/1998
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